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Jüdisches Museum Frankfurt: Passivhausstandard und hochwertige Bauphysik prägen das neue Gebäude-Ensemble am Untermainkai

Wiedereröffnung am 21.10.2020 nach rund fünf Jahren Bauzeit

Mit der Erweiterung des Jüdischen Museums entstand ein vergrößerter Museumskomplex als einzigartiges Zentrum für jüdische Kultur. Das sanierte historische Rothschild-Palais und der neue Lichtbau von Staab Architekten bilden ein stimmiges Ensemble und verbinden gekonnt Geschichte und Tradition mit der Gegenwart.

© Jüdisches Museum Frankfurt | Fotografie: Norbert Miguletz | Außenansicht JMF und Rothschild Palais.

Zwischen dem historischen Rothschild-Palais und dem neuen Erweiterungsbau befindet sich nun ein neuer Museumsvorplatz, der sich zum Frankfurter Untermainkai hin öffnet. Die Verbindung von Alt- und Neubau markiert eine 11 m hohe Baumskulptur von Ariel Schlesinger.

Bei diesem Projekt zeichnet MÜLLER‑BBM verantwortlich für die gesamte Raum-, Bau- und Elektroakustik wie auch für die Bauklimatik einschließlich Wärmeschutz und Energiebilanzierung.

© Jüdisches Museum Frankfurt | Fotografie: Norbert Miguletz | Verbindungsgang der beiden Gebäude.

Denkmalgeschütztes Rothschild-Palais

Das Rothschild-Palais, ein klassizistischer Bau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war einst Wohnhaus und später die erste öffentliche Bibliothek Frankfurts. Die historisch erhaltenen Räume wurden restauriert, teilweise behutsam ergänzt und mit dem Nachbargebäude zu einem Museumsrundgang verbunden.

Auf drei Etagen und insgesamt 1400 m² präsentiert das Rothschild-Palais die neue Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte Frankfurts von 1800 bis zur Gegenwart, u. a. mit Medieninstallationen, digitalen Anwendungen und Hands-on-Stationen. Konzerte und Hörstationen entführen in die Welt der jüdischen Musik. Ein eigener Bereich beherbergt einen Seminarraum, eine Kinderwerkstatt, eine Küche für Workshops und Kreativangebote wie auch Räume für die Museumsverwaltung.

Im Rahmen der Sanierung waren strenge Vorgaben des Denkmalschutzes zu beachten. Für den Großteil der Aufenthaltsräume wurde eine spezielle Innendämmung des historischen Mauerwerks in Form einer diffusionsoffenen und kapillaraktiven Calciumsilikat-Dämmung ausgeführt. Zudem erfolgte eine wärmetechnische Ertüchtigung aller Bauteile im Dachgeschoss.

Mittels hygrothermischer Raumklimasimulationen wurden die konservatorisch nötigen Klimavorgaben überprüft und Auslegungshinweise für die Raumlufttechnik erarbeitet.

Aus Gründen des Einbruchsschutzes bestand die Notwendigkeit, einen Austausch der bestehenden Kastenfester vorzunehmen. Dabei wurden drei textile Ebenen integriert: ein innenliegender optischer Screen, ein textiler Sonnenschutz und ein Rollo zur Modulation des Tageslichteintrags.

Die Räume der Museumspädagogik erhielten raumakustische Maßnahmen zur Erzielung einer angenehmen Sprachverständlichkeit.

© Jüdisches Museum Frankfurt | Fotografie: Norbert Miguletz | Außenfassade Rothschild-Palais.

Erweiterungs-Lichtbau

Der neue Lichtbau steht im früheren Garten des Rothschild-Palais und ist geprägt vom Gegensatz zwischen Sichtbeton und Holzvertäfelung. Durchbrüche, Lichteinfälle und Split-Level erzeugen ein überraschendes Raumerlebnis. Das architektonische Zentrum bildet ein großzügiges Atrium hinter dem neuen Haupteingang, um welches sich öffentliche wie nichtöffentliche Bereiche für Depoträume, Werkstätten und Büros gruppieren.

Der Erweiterungsbau beherbergt auf rund 600 m² Raum für Wechselausstellungen, dazu eine ganz in Holz gekleidete öffentliche Bibliothek im ersten Stock, die sich mit einem großen Fenster zur Stadt hin öffnet, sowie ein Deli mit koscherem Speisenangebot, einen Museums-Shop und Garderoben.

Gemäß Vorgaben der Stadt Frankfurt wurde der neue Lichtbau als Passivhaus umgesetzt. Dabei mussten auch die speziellen Randbedingungen eines Museumsbaus hinsichtlich Sicherheitstechnik, Einbruchs- und Explosionsschutz sowie die konservatorischen Anforderungen durch Leihgeber etc. entsprechend berücksichtigt werden.

Zudem gewährleistet die Planung und Realisierung geeigneter Maßnahmen im Atrium und Foyer angenehme raumakustische Bedingungen sowie eine hohe Sprachverständlichkeit in den Vortrags- und Bibliotheksräumen.

© Jüdisches Museum Frankfurt | Fotografie: Norbert Miguletz | Atrium im Lichtbau.

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