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Hinter der Fassade der James-Simon-Galerie verbirgt sich anspruchsvolle Bauphysik

Das Entree für die Berliner Museumsinsel wurde im Dezember 2018 fertiggestellt

Am 13. Dezember 2018 war es endlich soweit: nach beinahe zehnjähriger Planung konnte der Architekt David Chipperfield der Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Schlüssel für das neue, nach dem jüdischen Kunstmäzen James Simon benannte Empfangsgebäude der Berliner Museumsinsel übergeben.

Außenansicht James-Simon-Galerie, Berlin © Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects.

Leicht und minimalistisch, dabei offen und einladend präsentiert sich das Bauwerk an der Uferkante des Kupfergrabens am nördlichen Teil des Spreekanals. Es stellt zukünftig den zentralen Zugang für die sogenannte Archäologische Promenade dar, die die fünf Ausstellungsgebäude der Museumsinsel, darunter das Pergamon-Museum, das Alte und das Neue Museum, miteinander verbindet und wird so den Besucherstrom kanalisieren.

Nach der offiziellen, für Sommer 2019 geplanten Eröffnung wird das neue Empfangsgebäude für die jährlich erwarteten zwei bis drei Millionen Besucher auf insgesamt 4600 m² Nutzfläche jedoch nicht nur als zentraler Eingangsbereich mit Garderobe, Museumsshop und Café für die anderen Häuser dienen, sondern Wechselausstellungen in einem großen Ausstellungssaal mit künstlicher Lichtdecke präsentieren und spektakuläre Aufführungen in einem "sehenswerten" Auditorium anbieten.

Auditorium James-Simon-Galerie, Berlin © Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects.

Leichtigkeit, Klarheit und Transparenz des Gebäudes lassen schnell die großen Hürden vergessen, mit denen die Realisierung des Bauwerks konfrontiert war. Aufgrund einer sogenannten Kolklinse im Baugrund mussten Taucher 1200 Pfähle in den Boden treiben, um das Fundament des neuen Bauwerks zu sichern. Schon der einstige, von Karl Friedrich Schinkel entworfene Packhof war auf Pfählen errichtet worden. Einer dieser alten Holzpfähle ist nun von der Decke hängend im Durchgang zum Neuen Museum zu bewundern. Mit einer Spitze wie ein übergroßer Bleistift wurde er mit vielen anderen Pfählen in den schlammigen Untergrund gerammt, bevor die ersten Gebäude errichtet werden konnten. Diese noch immer aktuelle Lösung zur Fundamentsicherung kam auch bei der Realisierung der James-Simon-Galerie zur Anwendung.

Müller-BBM entwickelte gemeinsam mit dem Architekten und dem Tragwerksplaner ein spezielles Abdichtungskonzept für das dauerhaft im drückenden Wasser liegende Untergeschoss. Neben einer Ausführung in WU Beton kam im Bereich der Sonderausstellung die zu diesem Zeitpunkt noch relativ neue Bauweise mit Frischbetonverbundfolie zur Anwendung. Darüber hinaus konzipierte Müller-BBM für die Umsetzung des Gesamtbauwerks in Sichtbeton anspruchsvolle Abdichtungsdetails.

Oberes Foyer James-Simon-Galerie, Berlin © Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects.

Auch sämtliche Aspekte der bauphysikalischen Beratung, wie Wärmeschutz, Bau- und Raumakustik sowie Schallschutz wurden souverän gelöst. Insbesondere Klima- und Strömungssimulationen zur thermischen Behaglichkeit und Klimakonstanz gehörten zu den Aufgaben von Müller-BBM. So wurden nicht nur Strömungssimulationen zur Optimierung der Klimatechnik und der Anordnung von Lüftungsauslässen unter Berücksichtigung wechselnder Ausstellungskonzeptionen durchgeführt, sondern auch Untersuchungen der Raumklimaentwicklung im Foyer vorgenommen und die Klimawechselwirkung unter Verzicht eines Türeinbaus zu den Sonderausstellungsbereichen analysiert.

Ein weiterer Fokus der Beratungen lag auf Raumakustiksimulationen für das Foyer und das Auditorium, die aufgrund der speziellen Architektur in Sichtbeton eine Optimierung der Raumakustik erforderten. So wurde beispielsweise die optimale Anordnung der Lautsprecher unter Berücksichtigung der durch die großen Sichtbetonflächen nur begrenzt vorhandenen raumakustischen Maßnahmen untersucht. Die bau- und raumakustische Planung von Dolmetscherkabinen, deren Größe durch Mobiltrennwände variabel gestaltet werden kann, oblag ebenfalls den Spezialisten von Müller-BBM.

Zur Realisierung eines bestmöglichen Schallschutzes wurde die über das Auditorium geführte Außentreppe entkoppelt gelagert.

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