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Bauhaus-Museum Weimar auch in bauphysikalischer Hinsicht ein Vorzeigeobjekt

Eröffnung am 6. April 2019

Mit einer Ausstellung zur Moderne um 1900 leitet das gerade errichtete Bauhaus-Museum in der Kulturstadt Weimar eine neue Epoche in der Präsentation seiner einzigartigen Sammlung zur Geschichte des Staatlichen Bauhauses ein, welches dort im Jahre 1919 gegründet wurde. Genau hundert Jahre später überzeugt nun nicht nur die geometrisch klare Architektur des Neubaus von Prof. Heike Hanada, sondern auch die gelungene, von Müller-BBM geplante Umsetzung der besonderen bauphysikalischen Anforderungen an einen Museumsbau. So entstand neben einer klimatisch behaglichen Umgebung für Mensch und Kunstwerk auch ein hervorragendes raumakustisches Niveau.

© Müller-BBM, Außenansicht

Den Besucher erwartet ein minimalistischer Kubus mit fünf Ebenen, die über zweigeschossige, offene Räume miteinander verbunden sind und so quasi fließende Übergänge bilden. Das großzügige Foyer ist nicht nur einladender Empfangsbereich, sondern dient darüber hinaus als Ausgangspunkt für alle weiteren Wege im Inneren des Gebäudes. Kaskadentreppen ermöglichen dabei über ein raffiniertes Koordinatensystem die Orientierung im Museumsbau. Neben den Ausstellungsbereichen beherbergt das Bauhaus-Museum einen Vortragsraum, ein Café, einen Museumsshop und Verwaltungsräume für die Museumsangestellten.

© Müller-BBM, Eingangsbereich

Die geschossübergreifenden Lufträume in den Ausstellungsbereichen stellten insbesondere aus raumakustischer Sicht eine Herausforderung für die Bauphysiker von Müller-BBM dar – das Ergebnis kann sich absolut hören lassen. Angenehmes Raumklima für die Besucher des Museums bedeutet aber nicht automatisch, dass auch die Kunstwerke eine optimale Umgebung vorfinden. Museale Ausstellungsbereiche und Depots stellen extrem hohe Anforderungen an die raumklimatischen Bedingungen, um Alterungsprozesse und Schäden, beispielsweise durch zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit, zu verhindern. Auch hier wurden durch die Bauphysiker von Müller-BBM Lösungen erarbeitet, deren Umsetzung ein hervorragendes Umfeld für die Exponate ermöglicht.

© Müller-BBM, Ausstellungsraum

Mit einer Unterschreitung der Anforderungen nach EnEV 2014 um 20 % wurde darüber hinaus eine weitere Vorgabe des Bauherrn erfüllt, die sich langfristig auszahlt und einen energiesparenden und ressourcenschonenden Gebäudebetrieb ermöglicht.

Ein weiterer Fokus der bauphysikalischen Beratungen von Müller-BBM lag auf den durch die Architektur bedingten, speziellen raumakustischen Anforderungen des Neubaus. Es galt, gerade für die geschossübergreifenden Lufträume die Halligkeit zu begrenzen und sowohl die Kommunikation der Besucher als auch die audiovisuelle Interaktion im Ausstellungskonzept zu fördern. Auch für den Vortragsraum, den Museumsshop und das Café wurden von Müller-BBM jeweils eigene raumakustische Anforderungen berücksichtigt sowie deren optimale Lösungen entwickelt und umgesetzt. Den Akustikern von Müller-BBM gelang es dabei, im Einklang mit statischen, architektonischen und lüftungstechnischen Konzepten vor allem für die Stahlbeton-Rippendecke mit ihren innenliegenden Belüftungskanälen eine gestalterisch überzeugende und effiziente Lösung zu präsentieren.

Akustikputz-Verbundplatten wurden als schallabsorbierende Elemente zwischen den geschlitzten Rippen platziert, die zur Aufnahme der Beleuchtung und der Zuluft dienen. In ihrer Betonoptik kaum wahrnehmbar, ermöglichen sie eine diskrete Realisierung der raumakustischen Maßnahmen.

Das Fazit? In seinem Bauhaus-Manifest formulierte Walter Gropius den Grundsatz: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!" Das neue Bauhaus-Museum stellt diesen Grundsatz nicht nur in seiner materiellen Gestalt, sondern auch mit seiner für angenehmste Umgebungsverhältnisse sorgenden Bauphysik eindrucksvoll unter Beweis.

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