Wiedereröffnung
des Teatro La Fenice
in Venedig

 

Taetro La Fenice

Als am 29. Januar 1996 das venezianische Opernhaus La Fenice bis auf die Grundmauern abbrannte, war die gesamte Kulturwelt schockiert. Eines der schönsten und traditionsreichsten Theater der Welt war zerstört.

Spontan begann man international für den Wiederaufbau zu sammeln. Schon zwei Jahre später sollte die legendäre Oper ihre Pforten wieder öffnen. Doch einige Widrigkeiten vereitelten diesen Zeitplan. Fast acht Jahre sind inzwischen vergangen, doch nun ist es endlich so weit:

Das Opernhaus La Fenice ist nun ab 14.12.2003 wieder eröffnet.

 

Bühne des Taetro La Fenice Nach den Plänen des mittlerweile verstorbenen Architekten Aldo Rossi ist der Zuschauerbereich originalgetreu wieder hergestellt worden, während im Bühnenbereich ein Opernhaus mit moderner Technik entstand.
Zahlreiche Spezialisten, darunter viele Kunsthandwerker, die sich mit der Rekonstruktion der völlig zerstörten Dekoration einer großen Aufgabe gegenübersahen, waren für den Wiederaufbau verantwortlich.
Müller-BBM war für die akustische Planung des Theaters verantwortlich.
Die Rekonstruktion eines gestalterisch und architektonisch so bedeutenden und nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden akustischen Qualitäten weltweit berühmten Opernhauses wie dem "La Fenice" beinhaltet auch für den Akustiker eine ganz einmalige Herausforderung.
Dabei ist das Spannungsfeld zwischen den historischen Planungsvorgaben - der Forderung einer vollständigen Rekonstruktion - wo es war - wie es war (dov'era, com'era) - mit neuen Erkenntnissen in der Raumakustik und einer Vielzahl "moderner" Anforderungen in Einklang zu bringen, so z. B. erhöhter Komfort durch Belüftung und Klimatisierung, verbesserter Sicherheitsstandard wie auch Integration neuer Probenräume und Technikzentralen.
Eine aus bau- und raumakustischer Sicht extrem komplexe Aufgabe, berücksichtigt man die beengten räumlichen Verhältnisse, die beim "La Fenice" in Venedig herrschen.
Der als klassisches italienisches Rangtheater konzipierte Theaterraum wurde originalgetreu hinsichtlich Grundform, Abmessungen, Geometrie und Volumen entsprechend den noch existierenden Planunterlagen von Architekt Meduna aus dem Jahr 1836 wiederhergestellt.
Das Tragsystem des Sala Teatrale wie auch die Decken der Ränge wurden als reine Lärchenholzkonstruktion, welche im wesentlichen losgelöst von den massiven Umfassungswänden der Cavea zur Aufstellung kommen. Die vom Platea bis zur Loggione reichenden Holzstützen bilden gleichzeitig auch das tragende Element für die gesamte Holzstruktur der Saaldecke.
Diese baukonstruktiv wie auch akustisch wieder hergestellte reine Holzkonstruktion ist einzigartig im Theaterbau und bildet die Grundlage und eines der Geheimnisse zur Wiederherstellung der hervorragenden akustischen Verhältnisse im Sala Teatrale. Die "Eigenständigkeit" der Holztragstruktur bietet aus akustischer Sicht weitere Vorteile, wie geminderte Schallübertragung aus angrenzenden Raumzonen.
Die Saaldecke ist in der handwerklich aufwändigen Originalkonstruktion, bestehend aus Holzspanten mit Holzleisten und Mörtelschichten aus Coochio Pesto gefertigt. Dadurch werden die idealen akustischen Gegebenheiten wiederhergestellt.
In Fällen, in denen aus brandschutztechnischer Sicht neue Materialien notwendig waren, wurden umfangreiche akustische Materialuntersuchungen durchgeführt, um eine Gleichwertigkeit der "Neuen" mit den historischen Materialien herzustellen.
Die Proszeniumsdecke, konstruktiv aufgebaut wie die Saaldecke, wurde mit einer leichten Neigung ausgeführt. Dadurch wird - entgegen der Situation vor der Brandkatastrophe mit horizontaler Proszeniumsdecke - eine wesentlich verbesserte Schallreflexionslenkung von den Künstlern auf der Bühne in das Parkett erreicht.
Die sehr reichhaltigen Dekore im Deckenbereich wurden originalgetreu in Form, Größe und Materialgebung aus Carta pesta, Holz und Stuck wiederhergestellt. Dadurch wird die akustisch sehr günstige hohe Schalldiffusität erreicht. Das selbe Prinzip der Schalldiffusität gilt für alle Wandoberflächen, Pfeiler und Galeriebrüstungen, deren Oberflächen ebenfalls sehr reichhaltig dekoriert sind.
Die heutigen Hörgewohnheiten erfordern bei Opernaufführungen ein etwas längeres Nachklingen im Zuschauerraum, d. h. längere Nachhallzeiten als dies üblicherweise in den klassischen italienischen Rangtheatern der Fall ist. Um dies zu erreichen, wurden permanent im Saal vorhandene Absorptionsflächen detailliert untersucht und, soweit möglich, deren Absorptionsverhalten minimiert.
Die Saalbestuhlung als wesentliches raumakustisches Element wurde unter Berücksichtigung der historischen Vorgaben so konzipiert, dass diese im unbesetzten wie auch im vollbesetzten Zustand ein weitgehend unverändertes Schallabsorptionsvermögen aufweist. Dadurch lassen sich optimale akustische Bedingungen während der Proben schaffen, da sich die raumakustischen Verhältnisse im unbesetzten Saal nur unwesentlich von denen bei Vollbesetzung unterscheiden.
Getreu der Rekonstruktion wird für den Fußbodenaufbau im Platea eine reine Holzkonstruktion bestehend aus einem Holzbelag auf Lagerhölzern mit darunter liegendem großen Lufthohlraum wieder aufgebaut. Dieser Fußbodenaufbau dient zur Absorption tiefster Frequenzen und ist leicht zu Schwingungen anregbar. Letzteres ist neben dem akustischen Höreindruck insbesondere bei "Fortissimi" überaus wichtig, da dieser Holzboden spürbare Schwingungen auf die Zuhörer im Platea überträgt, was den Höreindruck und das akustische "Gesamterleben" noch nachhaltig verstärkt. Die ursprüngliche Schrägneigung der Plateazone wurde zur Verbesserung der Sichtlinien wie auch der Direktschallversorgung etwas vergrößert. Über Öffnungen im Holzboden wird die Zuluft für die Plateazone geräuschlos eingebracht.
Unter Beibehaltung der Lage des Orchestergrabens wurde eine maßgebliche Vergrößerung durch Erweiterung in die Zone unterhalb der Vorbühne erreicht. Das Fassungsvermögen konnte auf 90 Musiker bei einer Fläche von knapp 120 m2 erweitert werden.
Durch zwei mobile Orchesterpodien ist eine flexible Höhenstaffelung zur akustisch optimalen Aufstellung der Orchestermusiker möglich.
Der akustische Kontakt zwischen den Orchestermusikern im Graben mit den Sängern auf der Bühne konnte mit den ursprünglich vorhandenen Oberflächen, wie Portalrahmen und auch Proszeniumsdecke, nicht zur vollen Zufriedenheit hergestellt werden. Aus diesem Grund wurden Verbesserungsmaßnahmen, wie Neigung der Orchestergrabenbrüstung auf der zur Bühne orientierten Seite sowie Schaffung einer 1,5 m breiten, gekrümmten Reflektorfläche unterhalb der Beleuchterbrücke in der Planung berücksichtigt.
Die gesamte Szenenfläche ist als waagerechte Fläche konzipiert und kann im Bereich der Bühnenpodien entsprechend der historischen Bühnenneigung bis hin zu einem Neigungswinkel von 15° individuell eingestellt werden. Diese Schrägneigung ist unter akustischen Gesichtspunkten sehr wichtig, da dadurch insbesondere für Bühnenauftritte in der hinteren Bühnenhälfte eine deutlich verbesserte Schallübertragung erreicht wird.
Bei symphonischen Konzerten findet das Orchester und ggf. der Chor zum Großteil Aufstellung auf der Bühne. Die Orchesterumschließung bildet mit den dreiseitigen Wänden sowie den Deckenreflektoren einen in der Größe variablen Abschluss zum Bühnenhaus. Sie schafft die notwendigen Reflexionen, die die Musiker untereinander für den Hörkontakt benötigen und sorgt dafür, dass die Schallenergie maßgeblich in den Zuschauerraum gelenkt und nicht im Bühnenhaus absorbiert wird.
Durch mobile Holzpodien wird eine flexible Aufstellung und Höhenstaffelung des Orchesters innerhalb der Orchestermuschel erreicht.

 

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