Katholische Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig erhielt Balthasar-Neumann-Preis 2016

Katholische Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig erhielt Balthasar-Neumann-Preis 2016

Schöpfung aus Stein: Der katholische Kirchenneubau in Leipzig wurde mehrfach ausgezeichnet

Es ist das größte Kirchenneubauprojekt im Osten Deutschlands seit der Wiedervereinigung. Mit der am 9. Mai 2015 geweihten katholischen Propsteikirche St. Trinitatis ist die Gemeinde ins Zentrum der Stadt Leipzig zurückgekehrt. Der Entwurf  stammt vom ortsansässigen Architekturbüro Schulz und Schulz, die den im Jahr 2009 ausgelobten internationalen Wettbewerb für den Neubau für sich entscheiden konnten.

Seine Präsenz in prominenter Lage erhält das moderne Ensemble mit Kirchenraum, Gemeindesaal, Priesterwohnungen, Unterrichts- und Büroräumen nicht zuletzt durch den Kirchenbaukörper mit einer lichten Höhe von 14,50 Metern und den Glockenturm, die den einladenden, offenen Pfarrhof in ihre Mitte nehmen.

Die Hülle des Baukörpers aus gemauertem Rochlitzer Porphyr aus der Region ist ein Bekenntnis an die Bautradition der Stadt. Unterschiedlich hohe, horizontal geschichtete Gesteinslagen verankern den Komplex mit dem Grundstück und lassen ihn sinnbildlich aus dem Boden herauswachsen.

Der Kirchenneubau wurde mehrfach ausgezeichnet, so u. a. mit dem Architekturpreis des Landesverbands Sachsen des Bundes Deutscher Architekten und dem renommierten Balthasar-Neumann-Preis 2016.

Balthasar-Neumann-Preis 2016

Der mit über 140 Teilnehmern bestens gefüllte Festsaal der Union Halle in Frankfurt/Main bildete am 21. April einen würdigen Rahmen für die Verleihung des Balthasar-Neumann-Preises 2016, dem wichtigsten europäischen Preis für Architekten- und Ingenieurleistungen, der vom BDB Bund Deutscher Baumeister und der DBZ Deutschen Bau Zeitschrift gemeinsam ausgelobt worden ist.

Preisträger der Auszeichnung ist die Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.

© Stefan Müller, Berlin

 

Mit dem Preis, der seit 1994 alle zwei Jahre verliehen wird, zeichnen der BDB Bund Deutsche Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. sowie die DBZ Deutsche Bau Zeitschrift die "beispielhafte, innovative und über technisch etablierte Standards hinausgehende Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen an einem Bauwerk" aus.

Im Fokus steht die partnerschaftliche Kooperation zwischen Architekten und Tragwerksplanern bei der Realisierung des Entwurfs, aber auch die Zusammenarbeit von Architekten und planenden Ingenieuren aus verschiedenen Fachdisziplinen wie die TGA. Insgesamt sollen beim Balthasar-Neumann-Preis die Parameter des nachhaltigen Bauens erfüllt sein.

Seine Bewährungsprobe bestand das Bauwerk mit dem kürzlich stattgefundenen 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig.

Akustik und mehr: Integrierte Planung

Die Ingenieure der Müller-BBM zeichnen für die raumakustische Planung des Kirchensaals mit elektroakustischer Anlage und des Gemeindesaals über alle Leistungsphasen einschließlich erforderlicher Messungen bis hin zur fachlichen Betreuung des Bauherrn bei Inbetriebnahme verantwortlich. Darüber hinaus war ein Expertenteam des Unternehmens mit der Ausführungsplanung der Thermischen Bauphysik und des baulichen Schallschutzes sowie der Detailplanung bei der Umsetzung des energetischen Nachhaltigkeitskonzeptes beauftragt.

© Stefan Müller, Berlin

 

3D-Simulation perfektioniert Beschallung

Dem Bauprozess war eine intensive Planung mit integrierter 3D-Simulation für die Raumakustik und Beschallung vorangegangen. Das Ergebnis ist sicht- und vor allem hörbar: im klar strukturierten, formal reduzierten Kirchensaal drängen sich weder die raumakustischen Maßnahmen noch die Komponenten der elektroakustischen Anlage in den Vordergrund. Erstere wurden im Einklang mit den architektonischen Gestaltungsvorgaben optisch unauffällig im Decken- und Rückwandbereich integriert. Und die Wirksamkeit der Beschallungsanlage ist perfekt auf den Raum abgestimmt.    

Sakrale Musik und Sprachverständlichkeit

Im Kirchensaal mit einem raumakustisch wirksamen Volumen von rund 13.000 m³ und einer Kapazität von 600 Sitzplätzen bewältigt die Akustik mühelos den Balanceakt zwischen den gegensätzlichen Anforderungen der sakralen Musik – vom Orgelkonzert  über Oratorien bis Chor – und guter Sprachverständlichkeit beim Gottesdienst. Die mittlere Nachhallzeit im voll besetzten Raum liegt bei ca. 2,5 Sekunden. Der ausgewogene Klang lässt auch die in jeder Hinsicht beeindruckende, 12 Tonnen schwere Orgel der VLEUGELS ORGELMANUFACTUR, Hardheim, perfekt zur Geltung kommen.

Flexibler Mehrzwecksaal

Der Gemeindesaal bietet Platz für bis zu 150 Personen. Er eignet sich sowohl für sprachliche als auch musikalische Darbietungen. Hier finden Versammlungen, Feiern, Vorträge, Lesungen aber auch Konzerte und Tanzvorführungen statt. Akustikbekleidungen an den Wänden und der Decke des rund 1.000 m³ umfassenden Raumes sorgen im gesamten Frequenzbereich für die notwendige Regulierung der Nachhallzeit, die bei ca. 1 Sekunde liegt.

Gemeindesaal und Foyer/Lesecafé sind durch eine schalldämmende Mobilwand getrennt und akustisch so konzipiert, dass sie sowohl getrennt als auch gemeinsam maximal flexibel nutzbar sind. 

© Stefan Müller, Berlin

Weitere Seiten