Juwel geborgen: Great Amber, die neue Konzerthalle im lettischen Liepaja

Juwel geborgen: Great Amber, die neue Konzerthalle im lettischen Liepaja, fasziniert die Welt schon vor der Eröffnung am
7. November 2015

Diese Konzerthalle steht für vieles: für die Bürger Liepajas und für die Mitarbeiter des Bauherrn Liepaja City Municipality, die sich im Jahr 2003 für den internationalen Wettbewerb stark machten, für dessen Gewinner, die Grazer Volker Giencke Architekten, die Architektur in Kunst verwandelten. Sie steht auch für Arbeiter und Unternehmen, die sich mit dem Bau des knapp kalkulierten Projektes identifizierten und dafür, dass die beteiligten Planer eine fast zehnjährige, krisenbedingte Pause nebst finanziellen Kürzungen durchgestanden haben. Und natürlich steht Great Amber auch für den Bernstein, der hier, wie überall an der Ostseeküste, mit etwas Glück zu finden ist und der die Menschheit schon seit vielen Jahrhunderten fasziniert.

Great Amber - Konzerthalle Liepaja

Die Weite der Welt

Das neue Haus passt ins musikbegeisterte Liepaja, die geschichtsträchtige, beeindruckend schön gelegene Stadt zwischen Meer, Kanal und See. Mit ca. 100.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Lettlands. Für den Architekten Volker Giencke ist Liepaja jetzt auch der Ort "mit einer Konzerthalle, die für die Weite der Welt formuliert ist." Ihr unkonventionelles Design erregt Aufsehen und wird, neben Musikfreunden, auch eine Vielzahl architekturbegeisterter Besucher anziehen. 

Der klassische Konzertsaal

Im Inneren des rundum verglasten, bernsteinfarbenen Juwels überzeugen die beiden Säle – der große Konzert- und der kleine Kammermusiksaal – mit ausgezeichneter Akustik.

Der große Konzertsaal nimmt circa 1.000 Sitzplätze auf. Sein raumakustisch wirksames Volumen beträgt etwa 11.200 m³. Wenn der Saal und das Orchesterpodium bis auf den letzten Platz besetzt sind, liegt die Nachhallzeit immer noch bei 1,8 bis 2,0 Sekunden und steigt zu tiefen Frequenzen nochmals an, was dem Klang die notwendige Wärme verleiht: Das sind perfekte Gegebenheiten für klassische Konzertveranstaltungen. Die Saalform orientiert sich mit ihren Rängen und Balkonen an den klassischen Vorbildern der Weinbergterrassen. Damit ist eine intime räumliche Nähe zu den Künstlern auf dem Podium möglich und man ist trotzdem an allen Zuhörerplätzen in den Raumklang voll eingebunden. Die filigranen Dekorelemente an den Decken und Wänden bewirken eine diffuse Klangdurchmischung für ein ausgewogenes Klangbild ohne übertriebene Schärfe.

Der Kammermusiksaal hat eine Zuhörerkapazität von bis 180 Personen und ein akustisch wirksames Volumen von 1.200 m³ für ein ausgewogenes und differenziertes Klangbild bei kammermusikalischen Veranstaltungen.

Konzertsaal Liepaja

Der Konzertsaal als Sprach- und Konferenzraum

Hinter großen weißen, akustisch transparenten Wandverkleidungen aus Gewebe übernehmen auf- und abfahrbare Stoffvorhänge eine variable Schallabsorption für die Reduzierung der langen natürlichen Nachhallzeiten in den Sälen.

Zusammen mit fest installierten Beschallungsanlagen gewährleistet diese Form der Schallabsorption in beiden Sälen eine sehr gute Wort- und Silbenverständlichkeit. Neben Konzerten lassen sich die Säle, insbesondere der größere, auch für Sprachveranstaltungen – Vorträge, Konferenzen, Kongresse – nutzen.

Intensive, durchgängige Akustikplanung

Die hohe akustische Qualität der Räume und ihre flexible Nutzungsmöglichkeit ist das Ergebnis der intensiven Zusammenarbeit der Architekten Volker Giencke Architekten mit den akustischen Beratern von Müller-BBM.

Gestartet mit Beginn des Wettbewerbs im Jahr 2002 dauert diese – über alle Leistungsphasen hinweg – bis heute an: Nachdem Volker Giencke Architekten das Gebäude im August 2015 an die Stadt Liepaja übergeben hatten, wurde von Müller-BBM auch noch die Feinjustierung der Nachhallzeiten und anderer akustischer Parameter in den Sälen vorgenommen. "Es ist ein Wunder, ein Ereignis, das nur einmal in hundert Jahren möglich ist", soll Indulis Kalns, ein bekannter ortsansässiger Architekt, über das neue Haus gesagt haben. Wer es gesehen hat, kann nur zustimmen, es ist ein Wunder – zum Ansehen, Anfassen und vor allem: zum Anhören.

Zur Eröffnung: Wunder hören

Wem das Glück zuteil ist, der kann dieses Klangwunder direkt vor Ort erleben: bei der Eröffnungsfeier des Kammermusiksaals mit dem String Quintett der Berliner Philharmoniker am 18. Oktober 2015. Oder am 07.11.2015, bei der Weltpremiere von Agris Engelmanis "Work for symphony orchestra" und Ēriks Ešenvalds 4. Liepaja Konzert für Klarinette und Orchester sowie der Symphony Nr. 9 von Ludwig van Beethoven. Dargeboten vom Liepaja Symphony Orchestra zusammen mit dem State Academic Choir "Latvija" unter der Leitung des Dirigenten Atvars Lakstīgala. Mit den Solisten Elisabet Strid, Sopran, Jovita Vaškevičiūte, Mezzosopran, Mati Turi, Tenor, Egils Siliņš , Bass, und Ints Dalderis, Klarinette.

Das Podium bietet Platz für 90 Musiker

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