European Krzysztof Penderecki Center

European Krzysztof Penderecki Center for Music, Luslawice

Ausgezeichnete Akustik: Müller-BBM legt den Konzertsaal für ein breites Spektrum der Musikinterpretation aus

Luslawice, etwa 90 Kilometer östlich vom polnischen Krakau gelegen, hat seit kurzem einen erstklassigen Konzertsaal. Dieser ist Teil des European Krzysztof Penderecki Center for Music, den die Krakauer DDJM Architekten – unterstützt durch die Akustikplaner von Müller-BBM – sozusagen direkt auf der grünen Wiese gebaut haben. Genauer: unmittelbar angrenzend an Krzysztof Pendereckis Arboretum, einen Landschaftspark mit Herrenhaus. Penderecki gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Als Initiator und Schirmherr der neuen Begegnungsstätte hat er sein Engagement für junge Talente jetzt einmal mehr unter Beweis gestellt. Die Bedingungen dafür sind perfekt. Der Konzertsaal ist akustisch variabel mit bis zu 700 Plätzen bestuhlbar und hat ein 210 m² großes Podium für Orchester- und Choraufstellungen. Darüber hinaus bietet das Musikzentrum verschiedene Lehrsäle, Proberäume, Studios, eine Bibliothek, ein Aufnahmestudio, Übernachtungsmöglichkeiten und last but not least sogar eine Terrasse für Open-Air-Konzerte.  

Nachhall: Das „musikalische Rechteck“  

Im Fokus des Bauherrn stehen sowohl die perfekte Interpretation klassischer und zeitgenössischer Musik als auch das Experimentieren mit neuen Kompositionen. Proben mit kleinen Ensembles im leeren Saal sollen ebenso möglich sein wie die Aufführung großer Orchesterwerke im voll besetzten Raum. Musiker und Zuhörer empfinden ein gewisses "Atmen" der Musik, wenn gespielte Töne Zeit haben, sich mit anderen Klangfarben zu mischen. Gefördert wird dieser Effekt durch den Nachhall des Raumes. Für einen langen Nachhall und intensive Töne wurde das Raumvolumen des Konzertsaals in Luslawice auf mehr als 9.000 m³ ausgelegt. Die gewünschte musikalische Bandbreite – von der Kammermusik bis zu Orchester- und Chorwerken – lässt sich nachweislich sehr gut mit einer rechteckigen Grundform erzielen. Mathematisch-geometrische Beziehungen geben die Richtung vor, die für ein „musikalisches Rechteck“ sinnvoll ist: der Saal muss lang, hoch und nicht zu breit sein. Obwohl es hier kaum einen rechten Winkel gibt, ist der Konzertsaal im Penderecki-Zentrum nach den klassischen Proportionen eines Rechtecksaales geplant.  

Stille im Saal: Fremdgeräusche „ausblenden“  

Gute Raumakustik erfordert auch und vor allem „Stille im Saal“. Die massive Primärstruktur des Gebäudes hält den Außenlärm vollständig vom Saal fern. Der gesamte Konzertsaal ist mehrschalig gebaut, die Saalzugänge sind als Schallschleusen ausgebildet. Sie bewirken eine hohe Schalldämmung gegenüber dem Foyerbereich. Ein weiteres Augenmerk der Akustikplanung liegt auf dem Geräuschpegel der Lüftungs- und Klimaanlage. Dieser ist effektiv reduziert, indem Frischluft „leise“ über ein Plenum unterhalb des Fußbodens in den Saal gelangt und die Abluft über die Decke abgeführt wird.  

Klangentfaltung: Rhythmus- und Materialkonzept  

Für das perfekte Klangerlebnis haben die Akustiker von Müller-BBM mit DDJM Architekten frühzeitig ein klares Struktur- und Materialkonzept für den Raum erarbeitet. Daraus entstand der optimale Rhythmus der Grundmodule für Wände, Decke und Balkonbrüstungen. In alten Konzert- und Opernhäusern trägt die reiche Ornamentik zur guten Akustik bei. In modernen Sälen übernehmen unterschiedliche Oberflächenstrukturen und deren Ausrichtung diese Funktion. In Luslawice bezieht sich die Innenverkleidung des Saales auf die historische Bauweise: Sie ist wie ein Möbelstück in die primäre Außenschale eingestellt. Eine Tragkonstruktion aus Holzleimbindern nimmt die einzelnen Kassettenmodule aus Holz mit unterschiedlichen Neigungen auf. Neben rein reflektierenden Flächen gibt es Flächen mit schallabsorbierenden Materialien, die störende Reflexionen verhindern. So kann durch eine diffuse Verteilung der Töne im Raum allen Besuchern ein intensives Klangerlebnis ermöglicht werden. Auch die Bestuhlung des Konzertsaals spielt – nicht nur in Bezug auf den Sitzkomfort – eine wichtige Rolle für die Akustik. Ziel ist es, unterschiedliche Saalbesetzungen bestmöglich akustisch auszugleichen. Deshalb wurden nur die Sitzflächen und die Vorderseiten der Rückenlehne schallabsorbierend ausgeführt. Für einen guten Sicht- und Direktschallkontakt steht das Podium einen Meter über der Par-kettebene. Die Wände, die das Podium umschließen, sind akustisch variabel ausgestattet. Hinter der Holzlamellenverkleidung lassen sich textile Schallabsorber individuell einfahren. Vor den Wänden der Seitengalerie können große, schallabsorbierende Vorhangflächen bei Bedarf ausgefahren werden. Diese Flexibilität ist wichtig, beispielsweise für elektroakustische Kompositionen oder bei Tagungen und Weiterbildungsveranstaltungen mit Beschallungsanlage. Spätestens die offizielle Einweihungsfeier am 21. Mai 2013 mit dem Apollon Musagète Quartett, der Schlesischen Camarata und Anne-Sophie Mutter mit dem Orchester „Mutters Virtuosi“ gab den Besuchern ausreichend Gelegenheit, sich von der hervorragenden Akustik im Konzertsaal zu überzeugen.

© DDJM Architekten, Krakau

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