Ehrenpreis für guten Wohnungsbau 2015

Passivhaus in Holzbauweise, Rheinstraße 14 in München-Schwabing

Ehrenpreis für guten Wohnungsbau 2015

Die GBW Gruppe hat in München-Schwabing in der Rheinstraße 14 ein Passivhaus realisiert. Für dieses Gebäude vergab die Landeshauptstadt München einen Ehrenpreis für guten Wohnungsbau. Das in Massivholzbauweise errichtete 4‑geschossige und teilweise unterkellerte Mehrfamilienhaus verfügt über insgesamt zehn Wohneinheiten. Das Holzhaus wurde von dem Münchner Architekturbüro zillerplus Architekten und Stadtplaner entworfen und von der Allgäuer Holzbaufirma Ambros GmbH errichtet. Als besonderer Akzent wurde die Fassade mit einer naturbelassenen unbehandelten Lärchenholzschalung verkleidet. Müller-BBM übernahm bei der Planung die komplette bauphysikalische Beratung sowie die Passivhausplanung (Gebäudeberechnung nach PHPP) bis zur abschließenden Zertifizierung. Des Weiteren erfolgten nach Fertigstellung des Gebäudes bauakustische Abnahmeprüfungen zur Dokumentation der schalltechnischen Ausführungsqualität. Die Massivbauweise kann auch heute noch nicht als schalltechnische Regelbauweise angesehen werden. Zusammen mit dem Statiker und der Holzbaufirma wurde auf Basis des derzeitigen Standes der Technik versucht, einen höchstmöglichen Schallschutz zu gewährleisten. Grundgedanke dabei war, zumindest bei einem Bauteil des Raumes die Holzoberflächen sichtbar zu belassen sowie aufwendige und insbesondere im mehrgeschossigen Holzbau bautechnisch unrealistische Entkopplungsmaßnahmen zwischen den einzelnen Bauteilen zu vermeiden. Anhand der Abnahmemessungen ist ersichtlich, dass im Bereich der Luftschalldämmung wesentlich bessere Qualitäten erzielt wurden, als anhand der theoretischen Modelle zu prognostizieren war. Für jede Wohnung konnte ein DEGA-Schallschutzausweis Klasse C ausgestellt werden. Dies erscheint angesichts der geringen Erfahrung im mehrgeschossigen Massivholzbau im Vergleich zur üblichen Massivbauweise als hervorragende Qualität. Die weitere besondere Anforderung des Projektes bildete dabei die für Passivhäuser untypische innerstädtische Innenhoflage. Durch die umliegende Bebauung sowie den schützenswerten Baumbestand können solare Wärmegewinne nur bedingt ausgeschöpft werden. Dies wird beim vorliegenden Gebäude durch wärmeschutztechnisch hochmoderne Fensterkonstruktionen, eine kompakte und überdurchschnittlich wärmegedämmte Gebäudehülle sowie durch intelligente Detaillösungen zur Reduzierung von Wärmebrücken sehr gut kompensiert.

© GBW Gruppe

Rein äußerlich unterscheiden sich Passivhäuser nicht wesentlich von herkömmlichen Gebäuden. Auch die Benutzung ist nicht schwieriger oder aufwendiger – im Gegenteil: Ein hoher Nutzerkomfort ist ein wesentliches Ziel jeder Passivhausplanung. Der Name „Passivhaus“ bedeutet ursprünglich, dass das Gebäude sowohl im Winter als auch im Sommer ohne aktives Heiz- oder Kühlsystem auskommen kann und dennoch eine hohe Behaglichkeit aufweist, da es sich rein passiv durch Sonneneinstrahlung und innere Wärmegewinne „heizt“ und durch Verschattung, Nachtlüftung etc. kühl bleibt. In dem Wohngebäude Rheinstraße 14 in München ist zusätzlich eine Fußbodenheizung installiert, um sowohl ausgeprägte Kälteperioden ohne Sonneneinstrahlung zu überbrücken als auch die Aufheizung am Morgen und nach den Wochenenden gewährleisten zu können. Die Fußbodenheizung wird über einen Fernwärmeanschluss der Stadtwerke München (SWM) versorgt. Im Betrieb decken die Abwärme der Personen und Geräte sowie die Sonneneinstrahlung durch die Fenster den größten Teil des Heizwärmebedarfs, sodass auch im Winter nur sehr wenig geheizt werden muss. Außerdem sorgt eine Lüftungsanlage für frische Luft in den Innenräumen und für Energieeinsparung durch hocheffektive Wärmerückgewinnung. Das wichtigste Merkmal des Passivhauses ist die hochwärmedämmende Gebäudehülle, d. h., eine dicke Wärmedämmschicht in den Wänden, Fußböden und auf dem Dach sowie wärmeschutztechnisch sehr hochwertige Fenster mit 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung.

© GBW Gruppe

Das bewährte Konzept der Passivhausbauweise führt zu einem stark reduzierten Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen Neubauten. Dies macht den Bewohner weitestgehend unabhängig von Preissteigerungen für Energie. Erheblich verbessert wird auch der Komfort: Kalte Ecken und kühle Fensterbereiche gehören der Vergangenheit an. Die überdurchschnittlich gute Dämmung führt zu gleichmäßig warmen Innenoberflächen der Außenbauteile und garantiert damit einen bestmöglichen Schutz gegen Feuchtekondensation und Probleme wie Schimmelpilzbildung oder Kaltluftabfall. Das energie- & umweltzentrum Allgäu (eza!) hat dem Gebäude am 29.07.2014 das offizielle Siegel „Zertifiziertes Passivhaus“ verliehen.

© GBW Gruppe

Weitere Seiten