Denkmalgerechte Sanierung im Schauspielhaus Linz - Raum- und Bauakustik auf höchstem Niveau

Denkmalgerechte Sanierung im Schauspielhaus Linz - Raum- und Bauakustik auf höchstem Niveau

Schauspielhaus im Landestheater Linz öffnet nach Generalsanierung am 1. April 2017 seine Pforten

Am 1. April 2017 wird das generalsanierte Schauspielhaus im Landestheater Linz mit Shakespeares „Der Sturm" eröffnet. Der Startschuss für die umfassende Sanierung von Zuschauerraum, Foyer und Nebenräumen des ehemaligen Großen Hauses war im Mai 2016 gefallen, unter der Leitung des Wiener Architekturbüros Jabornegg & Pálffy. Vorab gab es umfangreiche Untersu­chungen zur Realisierung des Projektes, die unter Berücksichtigung der akustischen Belange in einer Konsensstudie zusammengefasst wurden. Bauherr ist das Land Oberösterreich, vertreten durch das Amt der Oö. Landesregierung. Verantwortlich für die akustischen Belange ist Müller-BBM.

Im Fokus standen die Verbesserungen des Sitzkomforts, der Akustik, der Sichtlinien, der Haus­technik sowie die Saalzugänge mit der geforderten Barrierefreiheit – alles unter den strengen Auflagen des Amtes für Denkmalschutz.

 

© Landestheater Linz, Foto: Norbert Artner

 

Historie

Das ehemalige Große Haus des Landestheaters Linz, Promenade 39, wurde zwischen den Jahren 1801 und 1803 als typisches Logentheater der damaligen Zeit errichtet. Für die Innen­einrichtung und die Bühne diente als Vorbild das Schikaneder‘sche „Theater an der Wien“.

Zwischen 1939 und 1940 erfolgten der Neubau eines großen Bühnenhauses sowie die Umge­staltung der Logendekoration und innenarchitektonische Vereinfachungen des Gesamtraumes.

Nach dem Krieg suchten Theaterleute und Architekten für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser nach neuen Formen im Theaterbau. Eine Rekonstruktion der Logentheater war für viele undenkbar. Entsprechend dem gesellschaftlichen Wandel setzte sich die Anordnung des Publikums im Parkett und in freien Rängen durch.

Auch Clemens Holzmeister entschied sich 1953 für das Entfernen des alten Logen­theaters und für den Neubau eines modernen Rangtheaters, jedoch innerhalb der bestehenden massiven Umfassungswände aus der historischen Zeit.

Das Haus war wiederum als Mehrspartenhaus konzipiert. D. h., sowohl das Musiktheater als auch das Sprechtheater und das Ballett hatten hier ihre Heimat.

Mit der Eröffnung des Musiktheaters am Volksgarten im April 2013 erhielten Oper, Operette, Ballett und Musical eine neue Bühne. So konnte das Große Haus primär zum Schauspielhaus umgestaltet werden. Die größte Herausforderung dabei war: Die Sicht musste für Schauspiel optimiert und die Akustik an Sprechtheater angepasst werden.

Gut sitzen, gut sehen, gut hören

Jetzt freut man sich in Linz auf das neue Sprechtheater, nach dem Motto: „Man wird im reno­vierten Schauspielhaus von allen Plätzen gut sehen, auf allen Plätzen gut sitzen und auf allen Plätzen gut hören". Darüber hinaus kann das Haus auch für kleinere Musicalproduktionen ge­nutzt werden. Beide Nutzungsvarianten wurden in der raumakustischen Planung von Müller-BBM berücksichtigt. Die Nutzung als Musicaltheater mit relativ kurzen Nachhallzeiten stellt kei­nen Widerspruch zum Nutzungsprofil des Sprechtheaters dar. Im Gegenteil, häufig haben mo­derne Musicaltheater noch kürzere Nachhallzeiten als Sprechtheater.

Für bessere Sicht, gute Direktschallversorgung und mehr Sitzkomfort wurde einerseits der Hö­henunterschied zwischen den Reihen im ersten und zweiten Rang, aber auch der Abstand zwi­schen den Sitzreihen vergrößert. Damit verringert sich die Sitzplatzanzahl des Zuschauer­raums von ehemals etwa 660 auf knapp 500 Personen.

Akustische Transformation

Die Experten von Müller-BBM haben den Bauherrn, die Nutzer und die Architekten über alle Leistungsphasen hinweg in akustischen Fragen unterstützt. Grundlage waren die Konsensstu­die vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen, die raum- und bauakustischen Anforderungen so­wie messtechnische Bestandsaufnahmen und Labormessungen.

Darauf aufbauend wurde die Akustik im Zuschauerraum konsequent auf die heutigen Erforder­nisse eines Sprechtheaters ausgerichtet. Zu den Maßnahmen gehörte auch der Austausch der gesamten Bestuhlung. Die Stühle wurden nach strengen Vorgaben des Denkmalamtes histo­risch saniert; die Holzflächen blieben erhalten, Stoff und Polster wurden neu aufgebracht.

Neu auch: schallabsorbierende Verkleidungen an den konvexen Brüstungsbereichen verhindern störende Schallfokussierungen. Spezielle Bassfallen im rückwärtigen Parkettbereich ermögli­chen die breitbandige Nutzung der Beschallungsanlage für Musical-Produktionen. Der Zu­schauerraum wird künftig durch akustisch wirksame Schleusen betreten. Damit werden Foyer­geräusche vom sensiblen Zuschauerraum ferngehalten.

© Müller-BBM - Erstes Arbeitsmodell für die akustischen Untersuchungen

 

Denkmalschutz und Schallschutz  

Sämtliche Sanierungsmaßnahmen im historischen Bestand erfolgten unter Berücksichtigung der strengen Auflagen des Denkmalamtes. Oberflächen der Wandverkleidungen wurden nach historischen Vorgaben, beispielsweise bei der Farbe oder dem Glanzgrad des Holzes, restau­riert und erfüllen zudem die raumakustischen Anforderungen.

Eine besondere Herausforderung stellte die Erneuerung der gesamten Haustechnik dar. Neue Lüftungs- und Kältezentralen im historischen Bestand wurden mit der Vorgabe eingebaut, dass ein ausreichender Schallschutz zwischen Technikräumen und Aufenthalts- bzw. Zuschauerbe­reichen gewährleistet ist. Nur so ist ein störungsfreier Probe- und Aufführungsbetrieb möglich.

© Müller-BBM - Grundrissdarstellung des neuen Zuschauerraums

 

Das Haus wird wieder schön

Die akustischen und die bautechnischen Maßnahmen wurden vollständig in die architektoni­sche Neugestaltung eingebunden. Dabei sollten auch die Ideen von Clemens Holzmeister wie­der deutlich sichtbar werden. In einigen Fällen, wie z. B. an der Decke, wurde das Fresko Orpheus und die Tiere von dem Linzer Künstler Fritz Fröhlich komplett erhalten.

So erhält Linz wieder sein historisches Theater in optisch und akustisch neuer Gestalt. Das traditionsreiche Haus wird auch in Zukunft Künstler und Besucher begeistern.

Weitere Seiten