Anneliese Brost Musikforum Ruhr: Große Eröffnungsfeier in Bochum am 28. und 30. Oktober 2016

Anneliese Brost Musikforum Ruhr: Große Eröffnungsfeier in Bochum am 28. und 30. Oktober 2016

Die neue Wirkungsstätte der Bochumer Symphoniker – ein Traum wurde Wirklichkeit

Mit einem Bürgerfest und einem fulminanten Konzert- und Veranstaltungsprogramm ist das neue Anneliese Brost Musikforum Ruhr vom 28. bis 30. Oktober 2016 in Bochum offiziell eröffnet worden. Fast 40.000 Besucher fanden sich zum Eröffnungswochenende im Bochumer Musikforum ein und machten es zu dem was es sein soll: Ein Haus für alle Bürger.  

Lange Zeit stand das Projekt aufgrund erdrückender Sparzwänge auf der Kippe. Nicht zuletzt dank des unermüdlichen Engagements des Generalmusikdirektors der Bochumer Symphoniker Steven Sloane und dem Einsatz und den Spenden vieler Bochumer ist das Musikzentrum nach nur vierjähriger Planungs- und Bauzeit Wirklichkeit geworden. Das Gebäude ist aber auch das Ergebnis einer einzigartig kostenbewussten und zugleich qualitätsorientierten Planung.

Flexibles Raumprogramm

Geplant wurde das Gebäude unter der Bauherrschaft der Stadt Bochum von Bez+Kock Architekten Generalplaner, Stuttgart, die 2012 als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen waren. Aufgabe war es, den Bochumer Symphonikern ein neues Zuhause zu geben und die Aufführungsmöglichkeiten der Bochumer Musikschule zu erweitern. Die Planer lösten diese, indem sie zu beiden Seiten der historischen Marienkirche neue Baukörper anordneten, die sich an der Länge des Kirchenschiffs orientieren und innenräumlich mit diesem verzahnen. Heute befindet sich auf der Südseite der Konzertsaal der Bochumer Symphoniker mit knapp 1000 Sitzplätzen. Auf der Nordseite ist ein flexibel nutzbarer, rund 200 m² großer Multifunktionssaal entstanden, der mittels mobiler Trennwände geteilt werden kann. Im Mittelpunkt des neuen Musikzentrums steht die Kirche selbst – welche als identitätsstiftendes Foyer die beiden Säle miteinander verbindet, aber auch als eigenständig bespielbarer Raum genutzt werden kann.

Das neue Musikforum mit neuem Konzertsaal und Marienkirche

Viele Akteure unter einem Dach

Entstanden ist eine architektonisch außergewöhnliche Kombination von drei Spielstätten. Dazu kommen neue Stimm- und Probezimmer sowie verschiedene Verwaltungsräume für die Bochumer Symphoniker. Damit erhalten die vielen unterschiedlichen Akteure einen neuen künstlerisch-professionellen Schaffensraum. Neben den Bochumer Symphonikern gehören dazu auch die zahlreichen Ensembles der Musikschule Bochum, Chöre aus der Region und weitere Künstlergruppen. 

Akustische Planungsaspekte

Mit der akustischen Planung und Beratung war ein Expertenteam von Müller-BBM aus Planegg beauftragt. Sie legten den Konzert- und Veranstaltungssaal als akustisch hochwertigen Raum für ein sehr breites Nutzungsspektrum aus: für Proben und Konzerte der Bochumer Symphoniker, für Konzerte von Gastorchestern, Rezitals und Kammermusik, aber auch Jazz und elektroakustisch verstärkte Musik sollen möglich sein.

Diese Nutzungsvielfalt stellte ganz konkrete Ansprüche an die akustische Planung und die entsprechende bauliche und architektonische Umsetzung – und dies bei einem für einen erstklassigen Konzertsaal vergleichsweise geringen Projektbudget von schlussendlich 38 Mio. Euro.

So setzt die klangliche Entfaltung großer symphonischer Werke in Bezug auf die im Konzertsaal vorhandenen knapp 1000 Zuhörerplätze vergleichsweise große Volumina voraus. Realisiert wurde ein optimales Raumvolumen von etwa 14000 m³ durch die akustische Ankopplung des Deckenhohlraums oberhalb einer architektonisch gestalteten schalltransparenten Deckenstruktur.

Akustische Vorhänge im Deckenhohlraum, aber auch im Bereich der Galerien und hinter dem Podium ermöglichen eine Anpassung der Akustik an die vielfältigen Nutzungen. Deckensegel optimieren das gegenseitige Hören auf der Bühne und verbessern die Klangprojektion in den Saal. Frühe laterale Reflexionen im Publikumsbereich und auf dem Podium werden mittels einer geometrischen Optimierung der Balkonbrüstungen und Seitenwandverkleidungen erzielt. Und parallele Flächen wurden vermieden, damit die Klangwellen in die richtige Richtung strömen.

Auch die Bestuhlung wurde akustisch sorgfältig dimensioniert; bereits im Vorfeld wurden zahlreiche Hallraummessungen an Musterstühlen durchgeführt s. auch: 

"Bewährungsprobe erfolgreich bestanden!"

Die profanisierte Kirche ist nun helles Foyer und Veranstaltungsort zugleich
Der kleine Saal in Aktion: von Polizeichor über Jazz bis Rock/Pop wird hier alles geboten

Klang überzeugt auf allen Plätzen

Edel und ein wenig nobel, aber ohne Protz. Ehrlich, klar und leicht, mit einer offenen Wärme. Mit diesen und ähnlichen Worten wurden am Eröffnungswochenende unisono die Architektur und die Akustik gelobt. Und GMD Steven Sloane äußerte seine Freude nicht zuletzt über die nun vorhandenen klanglichen Entfaltungsmöglichkeiten für sein Orchester. Eine eindrucksvolle Kostprobe davon konnten bereits die Besucher des Eröffnungskonzerts genießen.

"Kaum zu glauben, wie viele Details beachtet werden mussten, damit ein vollkommener Klang entsteht. Alles, was hier im Saal verbaut wurde, ist durch die prüfenden Augen des Akustikers in seiner Form und Materialität beäugt worden", sagt Jürgen Göke, Architekt, Projektleiter und Bauherrenvertreter der Stadt Bochum. Am Ende zählt das Ergebnis: "Egal, ob Sie unten oder oben sitzen, Sie hören überall gleich gut." Die Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Generalplaner und Akustiker war für ihn außergewöhnlich gut und zielführend: "Wir sind mit dem Ergebnis überaus zufrieden. Neben der tollen Architektur ist hier auch akustisch ein Meisterwerk entstanden."

Aber nicht nur zum perfekten natürlichen Klang hat Müller-BBM entscheidend beigetragen. Auch die Audio- und Videotechnik wurden von Fachleuten der Müller-BBM erfolgreich geplant und die gesamte Gebäudehülle auf einen hohen energetischen Standard ausgelegt.

Blick zur Bühne des neuen Konzertsaals

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